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Bild von Otto Intze

Otto Intze und der Talsperrenbau

Hochwasserschutz und Energiegewinnung gehen auf ihn zurück

In Nordrhein-Westfalen stehen die meisten seiner Projekte, so auch sein größtes Projekt, die Urfttalsperre in der Eifel, die auch heute noch die Region Aachen über den Obersee der Talsperre Schwammenauel mit Trinkwasser versorgt. Bereits ein Jahr vor der Eröffnung der Aachener Hochschule wandte sich Gründungsdirektor August von Kaven an den jungen Ingenieur, den er unbedingt als Lehrer nach Aachen holen wollte. Intze und von Kaven kannten sich aus der Zeit, als von Kaven noch an der Polytechnischen Schule in Hannover lehrte und Intze sein bester Schüler war.

Otto Intze wurde am 17. Mai 1843 in Laage in Mecklenburg geboren, verbrachte zwei Jahre am Bau der Riga-Düneburger Eisenbahn in Rußland, bevor er 1862 sein Studium aufnahm. Seine Diplomprüfung bestand er mit Auszeichnung, anschließend sammelte er drei Jahre praktische Erfahrung im Bereich des gewerblichen Wasserbaus in Hamburg. Im Alter von 27 Jahren kam Intze mit diesem Hintergrund nach Aachen, um dort "ordentlicher Lehrer" für die Fächer Baukonstruktion und Wasserbau zu werden. Zwei Jahre später übernahm er auch noch das Fach Baustofflehre. Intze schaffte es inerhalb von drei Jahren, seinen Lehrstuhl, der drei Arbeitsgebiete umfaßte, den neuzeitlichen Anforderungen anzupassen und ihn gründlich auszugestalten. Zudem interessierte er sich stark für die internen Belange der Hochschule, so war er von Anfang an als Hochschulbaumeister beauftragt und gründete die Hochschulbibliothek, deren Leiter er bis 1872 war. Von 1895 bis 1898 war er einer der ersten Rektoren der jungen Hochschule. Intze erwarb sich größten Verdienst zunächst um den Bau von Wasser- und Gasbehältern, dann um den Talsperrenbau, für den er nicht nur die wissenschaftlichen Grundlagen schuf, sondern den er auch selbst in die Praxis umsetzte. Allein in den neunziger Jahren leitete er im Rheinland und in Westfalen die Planung von 16 Talsperren von Anfang an. Auch zuverlässige Meßverfahren für die Niederschlags- und Abflußmengen fehlten. All diese Probleme nahm Intze in Angriff, es entstand keine Talsperre unter seiner Leitung, der er sich nicht persönlich bis ins Detail widmete.

Auf seine Anregung geht es zurück, Talsperren auch zur Wasserversorgung und zum Hochwasserschutz zu bauen und damit, im Interesse besserer Wirtschaftlichkeit, die Stromgewinnung zu verbinden. Zuvor dienten Talsperren in erster Linie zunächst der Trieb-Wasserversorgung. Seine Bauform, nämlich Gewichtsstaumauern mit einer keilförmigen Anschüttung auf der Wasserseite, dem später nach ihm benannten Intze-Keil, ist heute in dieser Bauweise überholt. Aber es ist sein Verdienst, als erster die Berechnung von Staumauern durchgeführt zu haben. Otto Intze blieb Aachen verbunden, er lehnte einen Ruf nach Braunschweig ebenso ab wie einen Ruf an die renommierte Münchener Hochschule. Die Technische Hochschule Dresden verlieh ihm 1902 den Ehrendoktortitel. Am 28. Dezember 1904 starb Otto Intze in Aachen.

von Angelika Hamacher

aus dem Magazin RWTH-Themen/ Berichte aus der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen / Jubiläumsausgabe 1/95


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