Die grössten Bagger der Welt
Fotos:  Hendrik Brixius



Bagger 288, der grösste der Welt, bei der Überquerung der A61 westlich von Bergheim am 18.02.2001 (dieser Termin hatte sich wegen einer Reparatur an Bagger 259 entgegem dem unten wiedergegebenen Terminplan um eine Woche verschoben)





Alle Urheberrechte dieser Bilder liegen bei Hendrik Brixius.
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Unten der Pressetext der RWE Rheinbraun AG.
Eine Karte des Rheinischen Braunkohenrevier findet man hier (952 KB).


Großgerätetransport 2001

Zwei Schaufelradbagger wechseln den Arbeitsplatz 

Am 3. Februar 2001 starten zwei Schaufelradbagger von RWE Rheinbraun zum Überlandtransport. Bagger 288 kommt aus dem Tagebau Hambach und fährt zu seinem neuen Arbeitsplatz im Tagebau Garzweiler. Fast drei Wochen braucht der 13 000 Tonnen schwere Bagger für die Strecke von rund 22 Kilometern. Überqueren muss er die Autobahn 61, die Erft, eine Eisenbahnstrecke und mehrere Straßen. Bagger 259 aus dem Tagebau Bergheim kommt ihm dabei zunächst entgegen. Er fährt über rund 16 Kilometer zum Tagebau Hambach. Am 10. Februar begegnen sie sich auf beiden Seiten der Autobahn 61, bevor sie nacheinander die Autobahn überqueren. Viele Monate haben der Projektleiter und sein fast siebzig Mann starkes Team die Dienstreise der beiden Großgeräte vorbereitet. Rund 40 Mitarbeiter werden den Transport ständig begleiten.

Warum ein Transport über Land?

§Bagger 288 wird im Tagebau Hambach vorerst nicht mehr benötigt. Denn technische und betriebliche Maßnahmen haben die Geräteauslastung im Tagebau Hambach erheblich gesteigert. Ein großer Kohlevorrat ist dort mittlerweile freigelegt worden. Bagger 288 wurde deshalb stillgesetzt. Im Tagebau Garzweiler kann man ihn gut brauchen: Hier wird er als einer der modernsten und leistungsstärksten Bagger im Revier die Kohleförderung steigern und langfristig ältere Geräte ersetzen. Pro Tag kann er bis zu 240 000 Tonnen Kohle und Abraum fördern. Damit könnte er einen Fußballplatz 30 Meter tief ausgraben. In Garzweiler gab es bisher nur ein Großgerät mit einer vergleichbaren Förderkapazität, in Hambach dagegen sieben.
§Bagger 259 hat im August 2000 die letzten Tonnen Kohle aus der Hohen Scholle des Tagebaus Bergheim gewonnen, der damit so gut wie ausgekohlt ist. Im Tagebau Hambach wird das Gerät – ein Bagger der 100 000-Tagestonnen-Klasse und etwas kleiner als Bagger 288 – dazu beitragen, den Großgeräteeinsatz insgesamt flexibler zu gestalten und damit die Qualitätssteuerung zu verbessern.
Ein Abbau der Stahlriesen am alten Arbeitsplatz und ihr Transport in Einzelteilen wären viel teurer und zeitraubender als die Fahrt über Land. Allein die Bagger-Reisen nach Garzweiler und Hambach kosten rund 15 Millionen Mark.



Die Route

Die direkte Verbindung zwischen den Tagebauen kam nicht in Frage.

·Die Bagger können nur sehr begrenzt Steigungen oder Gefällstrecken befahren.

§Richtungsänderungen sind nur in weiten Kurvenbögen möglich.

§Hindernisse, wie Straßen und Eisenbahnstrecken, müssen möglichst ebenerdig überquert werden. Das erspart aufwändige Kiesanschüttungen.

§Die Trasse muss ausreichend tragfähig sein. Dafür sind umfangreiche Bodenuntersuchungen notwendig. Manche Stellen der landwirtschaftlich genutzten Flächen werden frühzeitig stabilisiert. Zum Beispiel sorgt eine frühe Aussaat von Gras dafür, dass der Boden nicht zu viel Wasser speichert.

§Die Transportbahn ist 60 Meter breit, in Kurven sogar 80 Meter. Ihre Doppelnutzung vermindert die Belastungen für die Grundeigentümer, meist Landwirte, und entlastet die von Umleitungen betroffenen Verkehrsteilnehmer. Außerdem spart sie erhebliche Kosten.

Besondere technische Aufgaben: 

Die beiden Großgeräte müssen auf ihrer Fahrt zu den neuen Arbeitsplätzen viele Hindernisse kreuzen oder in großer Nähe passieren. Dazu zählen die Autobahn 61, die Bundesstraßen 477 und 55, die Bahnlinie Neuss-Horrem, die Erft und mehrere Landstraßen. Die Zeitpunkte der Überquerungen müssen in Absprache mit den zuständigen Behörden so gewählt werden, dass Störungen so gering wie möglich ausfallen. RWE Rheinbraun informiert die Verkehrsteilnehmer in den Tageszeitungen rechtzeitig über alle Sperrungen und Umleitungsstrecken.

§Zu einem Treffen der Giganten kommt es in der Nacht von Samstag, 10. Februar, auf Sonntag auf der Höhe der Autobahn A 61, die westlich von Bergheim über­quert wird. Dann stehen sich die beiden Bagger beidseits der Strecke gegenüber, ehe der eine den anderen vorbei ziehen lässt. Um die Fahrbahn vor Schäden zu schützen, verteilen Hilfsgeräte 2 000 Kubikmeter Kies und Schotter auf der 60 Meter breiten Überfahrtstelle. Die Autobahn wird etwa 14 Stunden gesperrt sein, wobei die eigentliche Überfahrt nur 20 Minuten dauert: Vorbe­reitung und Aufräumen des Fahrweges nehmen wesentlich mehr Zeit in Anspruch.

§Die Schienen und die Befestigungen der Eisenbahnstrecke Neuss-Horrem werden rechtzeitig mit rund 120 Kubikmetern Schotter gut einen Meter über die Schienenoberkante hinaus abgedeckt. Zur Überquerung werden beidseits der Bahnstrecke insgesamt mehr als 1 000 Kubikmeter Kies als Rampen aufgetragen.

§Die Bagger überqueren die Erft an zwei Stellen. Hierfür wird das Erftwasser über einen Bypass aus Stahlrohren von jeweils 1,3 Metern Durchmesser umgeleitet. Das Flussbett selbst wird mit großen Steinen verfüllt. Allein die Arbeiten zur Vor­bereitung und späteren Wiederherstellung dieser Stelle dauern etwa sechs Tage.

§Hochspannungs- Freileitungen müssen unmittelbar vor den nahenden Baggern abgelegt werden. Das wird eng mit den Energieversorgern abgestimmt, damit sie die Stromversorgung ihrer Kunden über Ausweichstrecken sicher stellen können. Dies ist zum Beispiel für die Hochspannungsleitungen parallel zur Autobahn 61erforderlich.

§Insgesamt müssen für den Zug der Geräte fast 200 000 Kubikmeter Kies und Erdreich angeliefert, verteilt und wieder abtransportiert werden. Haben die Bagger das jeweilige Hindernis überwunden, beginnen so schnell wie möglich die Arbeiten für die Wiederherstellung von Äckern, Gewässern, Straßen und Wegen. Transportbedingte oder Folgeschäden übernimmt RWE Rheinbraun.

§Auf die Baggertrasse selbst dürfen nur solche Begleitfahrzeuge, die auf Raupen fahren. Denn der Untergrund wird durch kleine Fahrzeuge mit vergleichsweise schmalen Reifen stärker belastet als durch die eigentliche Baggerfahrt. Das einzige Fahrzeug ohne Raupenfahrwerk, das ständig den Bagger begleiten darf, ist ein Kabelwagen für die Stromversorgung. Sein Fahrwerk wurde für die Transportaktion aufwändig umgebaut, damit keine tiefen Furchen entstehen.

Der Terminplan

Sicherheit und Rücksicht spielen auch bei der Terminplanung eine wichtige Rolle: Der größte Teil des Weges wird bei Tageslicht zurück gelegt. Die Querung von Straßen, Stromleitungen und Gewässern wurde lange im Voraus auf die Stunde genau berechnet, damit Sperrungen, Räumungen und Vorarbeiten reibungslos ablaufen können und so wenige Behinderungen wie möglich entstehen.


 
Bagger 288
Bagger 259
Samstag, 3.2.
Elsdorf und Berrendorf:
§Landstraße 276
Paffendorf:
§Bundesstraße 477
Mittwoch, 7.2.
Bergheim/Elsdorf:
§Landstraße 276 
§Bundesstraße 55
Freitag, 9.2.
Glesch/Paffendorf:
§Erft
Samstag, 10.2.

Autobahn 61 bei Bergheim

Sonntag, 11.2.
Glesch/Paffendorf:
§Bahnlinie Neuss-Horrem 
§Erft
Dienstag, 13.2.
Elsdorf:
§Landstraße 276 
§Bundesstraße 55
Freitag, 16.2.
Neurather Höhe:
§Landstraße 213
Elsdorf:
§Landstraße 276
Samstag, 17.2.
Golfplatz Erftaue:
§Erft 
§Bahnlinie Neuss-Horrem 
Landstraße 116

Die Planer des Transports und die Begleitmannschaft treffen umfangreiche Vorkehrungen, um Störungen auf ein Minimum zu begrenzen. Zum Beispiel werden Besucherparkplätze an den Tagen eingerichtet, an denen mit vielen Schaulustigen gerechnet wird. Für die unvermeidlichen Beeinträchtigungen, etwa durch Verkehrsumleitungen oder durch Bauarbeiten, bittet RWE Rheinbraun die betroffenen Bürger um ihr Verständnis.

Bagger 288

Mit dem Schaufelradbagger 288 – und seinem fast baugleichen Kollegen „289“ – begann 1978 ein wichtiges Kapitel im rheinischen Braunkohlenbergbau. Die beiden sind die ersten Bagger der 240 000er Generation Rheinbraun. Bagger 288 kann mit den 18 Eimern seines Schaufelrads 240 000 Tonnen Kohle oder Kubikmeter Abraum pro Tag fördern; diese Menge passt in 2400 Rheinbraun Kohlewaggons oder 16 000 Kieslaster.

Bagger 288 war der größte Bagger der Welt, als er 1978 im damals neu aufzuschließenden Tagebau Hambach in Betrieb ging – und das ist er bis heute geblieben. Das Gerät ist 240 Meter lang und 96 Meter hoch. Es wird von fünf Mann Besatzung bedient. Das Gewicht des Baggers ruht auf zwölf Raupenfahrwerken, die in drei Gruppen zusammen gefasst sind und von denen jedes 3,80 Meter breit ist. Wegen dieser großen Auflagefläche ist der Bodendruck des Baggers so gering, dass die Querfeldeinfahrt problemlos möglich ist. Das Fahrwerk wird elektrisch angetrieben: Der Bagger hat für seine Stromversorgung eine Kabeltrommel mit einem Kilometer Stromleitung an Bord, die unterwegs immer wieder an andere Einspeisepunkte angeschlossen wird.

Nicht nur wegen der Kabelaktionen ist der Transport langsam: Die Fahrwerks­motoren bringen den Riesen nur zehn Meter pro Minute voran – kein atemberauben­des Tempo, aber ein atemberaubendes technisches Schauspiel wird es ganz sicher.

Steckbrief Bagger 288

Dienstgewicht 13 000 Tonnen = 13 000 VW Golfs
Länge 240 Meter = zweieinhalb Fußballplätze
Höhe 96 Meter = zwei Drittel der Höhe des Kölner Doms
Schaufelrad-Durchmesser 21,60 Meter = achtstöckiges Wohnhaus


 

Bagger 288

Bagger 259
Nennleistung:
240 000
fm³/Tag
110 000
fm³/Tag
Bedienmannschaft:
5
Mann
5
Mann
Dienstmasse gesamt:
12 840
t
7 800
t
Gesamtlänge:
ca. 240
m
ca. 210
m
Gesamthöhe:
96
m
ca. 70
m
Antriebsleistung:
16 560
KW
9 478
KW
mittlerer Bodendruck:
17,1
N/cm²
12,3
N/cm²
Fahrwerk Hauptgerät

Bagger 288

Bagger 259

Anzahl der Raupen:
12
Raupen
12
Raupen
Breite des Fahrwerks:
46
m
31
m
Fahrgeschwindigkeit:
2-10
m/min
2–8
m/min
max. resultierende Neigung:
1:18
1:20
min. Kurvenradius:
ca. 100
m
50
m
Beladegerät
Bagger 288 

Bagger 259

Fahrgeschwindigkeit:
10
m/min
2 – 8
m/min
max. resultierende Neigung:
1:18
1:20
min. Kurvenradius:
50
m
50
m
Schaufelrad

Bagger 288

Bagger 259

Schaufelraddurchmesser:
21,6
m
17,3
m
Anzahl der Schaufeln:
18
Schaufeln
10
Schaufeln
Schaufel Nenninhalt:
6,6
2,6
Schüttungszahl:
48
/Minute
44
/Minute
Nennleistung des Motors:
4 x 840
KW
2 x 750
KW
             

Strom aus rheinischer Braunkohle 

15 Prozent der allgemeinen deutschen Stromversorgung kommen aus dem rheinischen Braunkohlenrevier. Hier fördert RWE Rheinbraun Braunkohle in der Größenordnung von 100 Millionen Tonnen pro Jahr. Rund 90 Prozent der Fördermenge aus den drei großen Tagebauen gehen in die fünf rheinischen Braunkohlenkraftwerke. Sie erzeugen mit insgesamt 10 000 Megawatt elektrischer Leistung jährlich rund 70 Milliarden Kilowattstunden Strom für den ständigen Grundbedarf von Industrie und Haushalten.
Die rheinischen Braunkohlenkraftwerke arbeiten umweltschonend: Rauchgas-Entschwefelungs-Anlagen und verbesserte Verbrennungstechniken haben den Schadstoffausstoß bereits erheblich reduziert. Mit dem Bau des neuen Braunkohlenkraftwerks mit optimierter Anlagentechnik (BoA) in Niederaußem investiert RWE Rheinbraun 2,4 Milliarden DM in die Zukunft des rheinischen Braunkohlenreviers und vermindert die CO2-Emissionen drastisch.

Sonderausstellung in Schloss Paffendorf

Mit Transportbeginn eröffnet RWE Rheinbraun eine Sonderausstellung zum Baggertransport. Originalstücke aus dem Tagebau geben den Besuchern einen besonderen Eindruck von der Arbeit mit den Schaufelradbaggern im Tagebau. Zu sehen ist die Ausstellung ab dem 3. Februar 2001 bis Ende März in der Galerie Schloss Paffendorf bei Bergheim. Geöffnet ist sie samstags und sonntags von 10.00 bis 17.00 Uhr.