Besonders gerne fotografiere ich Hochzeiten, da sie besonders hohe Anforderungen an den Fotografen stellen. Zwei Schwierigkeiten gilt es zu meistern:
1.
Normalerweise heiratet man nur einmal im Leben. Verpasst man den entscheidenden
Moment oder geht sonst irgendetwas schief, so kann man die Aufnahmen nicht
mehr wiederholen. Ist mir zum Glück noch nicht passiert. Auch Dank
einer intensiven, wochenlangen Vorbereitung und der Verwendung mehrerer
Kameras.
Zu sagen "Werden die Hochzeitsbilder nichts, wird auch die Ehe nichts!"
ist vielleicht übertrieben, der kausale Zusammenhang besteht aber
durchaus. Liegt einem die Partnerin oder der Partner nicht besonders am
Herzen, so kümmert man sich auch nicht um die Erstellung guter Hochzeitsfotos
und läßt irgend jemanden ein paar 08-15 Bilder knipsen.
Nach dem Motto: "Gefallen mir die Hochzeitsbilder nicht, egal, dann werfe
ich sie halt weg. Gefällt mir die Beziehung nicht mehr, egal, dann
lasse mich halt scheiden." Betrachtet man aber die Ehe nicht als Wegwerfbeziehung
und ist sich der Einmaligkeit der Hochzeit bewußt, so gibt versucht
man, die bestmöglichen Bilder dieses nicht wiederholbaren Ereignisses
zu erhalten. Schließlich will man diesen Tag auch noch nach 20 Jahren
glücklicher Ehe in bester Erinnerung behalten. Gute Bilder helfen
einem dabei. Liegen nur schlechte oder keine Hochzeitsfotos vor, ärgert
man sich wahrscheinlich die ganze Ehe darüber. Oder man heiratet nochmal.
Dann aber jemand anderen.
2.
Hochzeitsfotografie wird von vielen Fotografen ohne Liebe und Kreativität
betrieben. Deshalb sehen auch die meisten Hochzeitsbilder so langweilig,
monoton und teilweise schrecklich aus. Was der Wichtigkeit des Ereignisses
natürlich völlig unangemessen ist. Die Kunst des Fotografieren
ist es, nicht irgendetwas einfach abzubilden, sondern auch Gefühle,
Stimmungen und Ästhetik zu transportieren. Es ist etwas anderes,
ein Bild zu haben, auf dem das Brautpaar lediglich erkennbar abgebildet
ist, oder ein Bild zu haben, auf dem man auch die Freude, Schönheit
und Beziehung des Paares untereinander in einer besonders ansprechenden
Weise erleben kann. (Ein derart persönliches Bild möchte ich
hier nicht ohne dem Einverständnis der Abgebildeten zeigen. Kommt
vielleicht noch.) Es macht Freude, das Foto anzuschauen, auch wenn man
die Abgebildeten gar nicht kennt. Das Bild ist dann nicht mehr das schreckliche
Produkt eines seelenlosen Automaten, sondern es entwickelt eine eigenständige
Ästhetik, wird zum Kunstwerk. Um solche Kunstwerke zu schaffen, entwickele
ich fast alle Bilder selbst. Nur so hat man das Endergebnis im wahrsten
Sinne des Wortes in der Hand, kann das Foto so gestalten, wie man es gerne
hätte. Das ist natürlich sehr aufwendig (an einem Bild sitze
ich etwa 1-2 Stunden) und teuer, aber es lohnt sich!