[Artikel aus den Aachener Nachrichten zum Thema Kinderpornos im TH-Rechner]


 

Aachen: Kinderpornos im TH-Rechner

Polizei nimmt 31jährigen Wissenschaftler fest - Bilder per Internet angeboten

 

Von Nachrichten-Redakteur

Joachim Zinsen

Aachen. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der RWTH Aachen steht in Verdacht, über die Hochschule einen schwunghaften Handel mit Kinderpornos betrieben zu haben.

 

Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Aachen gestern gegenüber den Nachrichten bestätigte, ist der Mann, ein 31jähriger Aachener, am 26. März festgenommen worden. Seither sitzt er in Untersuchungshaft. Im einzelnen wird dem promovierten Physiker vorgeworfen, über seinen Hochschulrechner kinderpornografisches Material im Internet verbreitet und zum Verkauf angeboten zu haben. Bei der Durchsuchung seiner Privatwohnung stieß die Kripo auf eine Vielzahl von Schriften, Bildern und Videos, die sexuelle Handlungen an Minderjährigen zeigen. Auf die Spur des Kinderpornohändlers waren die Fahnder durch den Tip einer auswärtigen Staatsanwaltschaft gekommen, die in einem ähnlichen Fall ermittelt. Mit Hinweis auf laufende Ermittlungen wollte die Aachener Staatsanwaltschaft gestern keine weitere Einzelheiten bekanntgeben. Aus der Tatsache, daß der mutmaßliche Pornohändler weiter in Haft sitzt, kann jedoch geschlossen werden, daß sich unter dem beschlagnahmten Material auch Darstellungen von sexueller Gewalt befinden. Sollte dies zutreffen, droht dem Beschuldigten eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren.

[aus: Aachener Nachrichten,

Mittwoch, 16. April 1997, Seite 1

Die Veröffentlichung hier im Internet ist mit dem Autor des Artikels abgesprochen.]

 


 

,,Das Perverseste, was wir je sahen"

Nach Festnahme des RWTH-Physikers: Aachener Kripo sichtet Berge von Kinderpornos

Von Nachrichten-Redakteur Joachim Zinsen

Aachen. Die Beamten des Kommissariats zwölf sind um ihre Aufgabe nicht zu beneiden. Seit Tagen sichten die Fahnder im Aachener Polizeipräsidium Berge von Kinderpornos – Videos und Fotos, die am 26. März bei einem 31jährigen promovierten Physiker der RWTH Aachen sichergestellt worden waren. ,,Die Aufnahmen sind das Perverseste, was wir hier je gesehen haben", zeigte sich gestern ein Kripo-Mann gegenüber den ,,Nachrichten" schockiert.

Auf dem beschlagnahmten Material sollen gewaltsame sexuelle Handlungen an Kindern beiderlei Geschlechtes zu sehen sein, an Kindern, die zum Teil nur wenige Jahre alt sind. ,,Durch die Analyse der Bilder versuchen wir herauszufinden, woher die Jungen und Mädchen stammen und wo die Aufnahmen gemacht worden sind", erklärte Albert Balke, Sprecher der Staatsanwaltschaft Aachen. Eine heiße Spur habe man jedoch noch nicht. Spekulationen, daß der Aachener Hochschulangestellte mit der belgischen Kinderschänder-Bande um Marc Dutroux in Verbindung stand, bezeichnete Balke als völlig aus der Luft gegriffen.

,,Bisher eisern geschwiegen"

Der Beschuldigte, der die Kinderpornos monatelange über seinen Anschluß an den zentralen Hochschulcomputer im Internet verbreitet und zum Kauf angeboten haben soll, zeigte sich bislang wenig kooperationsbereit. Balke: ,,Zum Vorwurf des Handels mit dem Material hat er bisher eisern geschwiegen". Fest steht jedoch: Der RWTH-Angestellte, der nach Informationen der Nachrichten ledig ist und eine Habilitationsstelle am physikalischen Institut bekleidete, muß über internationale Kontakt verfügt haben.

So war am 26. März auch ein Isländer verhaftet worden, der bei dem Aachener Physiker zu Besuch weilte. ,,Der Mann ist inzwischen gegen eine Kaution von 10 000 Mark wieder auf freien Fuß gesetzt worden, weil wir gegen Ihn lediglich wegen des Besitzes von Kinderpornos, nicht aber wegen des Vertriebs ermitteln", so Balke. Der Isländer soll inzwischen die Bundesrepublik verlassen haben.

An der RWTH saß gestern der Schock über das Treiben des wissenschaftlichen Angestellten immer noch tief. Vorwürfe einer Mitschuld ließ man hier jedoch nicht gelten. Eine Kontrolle darüber, was einzelne Mitarbeiter von ihrem Arbeitsplatz aus in das Internet einspeisen würden, sei so gut wie unmöglich, hieß es von seiten der Hochschule.

 

[aus den Aachener Nachrichten vom 17. April 1997, Seite 1]


Netz gegen Kinderporno

 eingescannt von Hendrik

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